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ISBN/EAN: 978-3-89937-071-3
Einband: gebundenes Buch
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Herausgeber:
Gerd Kohlhepp
Auflage:
1. Auflage 2007
Erschienen am:
Sprache:
Deutsch
Umfang:
228 S., 61 s/w Illustr., 2 farbige Illustr., 1 Kar
Format (T/L/B):
1.8 x 24.5 x 21.6 cm

Hersteller:
Verlag Dr. Friedrich Pfeil
Dr. Friedrich Pfeil
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Gelebtes, geliebtes Amazonien

Forschungsreisen im brasilianischen Regenwald zwischen 1940 und 1962

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Beschreibung

Forschungsreisen im brasilianischen Regenwald zwischen 1940 und 1962

Über Harald Sioli

Vorwort des Herausgebers Harald Sioli (25.8.1910-14.10.2004) hat eine ungewöhnliche Karriere als Wissenschaftler durchlaufen. Nach der Promotion in Zoologie mit den Nebenfächern Botanik und Limnologie an der Universität Kiel 1934 hatte er das Glück, als Volontär-Assistent an einer limnologischen Forschungsreise von Prof. Dr. K. Lenz von der Hydrobiologischen Anstalt der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft in Plön/Holstein nach Nordost-Brasilien von September 1934 bis Juni 1935 teilnehmen zu können. Nach wissenschaftlichen Tätigkeiten auf Helgoland, einem Forschungsstipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft sowie als Assistent an der Biologischen Abteilung am Rudolf-Virchow-Krankenhaus in Berlin eröffnete sich für ihn als Austauschassistent des Reichsforschungsrats eine Möglichkeit zu einer zweiten Brasilienreise im September 1938 mit einem Forschungsaufenthalt am Biologischen Institut in São Paulo. Da der Kriegsausbruch 1939 seine Rückkehr nach Deutschland verhinderte, begann er mit einem Stipendium des Reichsforschungsrats ab Oktober 1940 hydrobiologische und limnologische Forschungen im Amazonasgebiet. Diese Phase völliger wissenschaftlicher Freiheit endete plötzlich, als Sioli aufgrund des Kriegseintritts Brasiliens auf der Seite der Alliierten im September 1942 im Lager Tomé-Açú südlich von Belém interniert wurde. Während dieser Zeit musste er unter schwierigsten tropenhygienischen Bedingungen die Funktion eines Arztes sowie die Leitung von Lagerkrankenhaus und Apotheke übernehmen. Fast unmittelbar nach Kriegsende wurde er von dem angesehenen Direktor des Instituto Agronômico do Norte, Dr. Felisberto de Camargo, in Belém als Wissenschaftler kontraktiert und konnte damit erstmals auf Grundlage einer festen Anstellung seine Forschungen im Amazonasgebiet an unterschiedlichen Standorten fortsetzen. Nachdem er im September 1953 Leiter der dortigen Abteilung für Limnologie geworden war und zwischenzeitlich in Belo Horizonte ein hydrochemisches und hydrobiologisches Labor für den öffentlichen Gesundheitsdienst leitete, erreichte ihn im September 1954 eine Berufung an das neu gegründete Amazonas-Forschungsinstitut INPA in Manaus. Der Abschied von Amazonien fiel ihm schwer, als ihn Ende 1956 der ehrenvolle Ruf der Max-Planck-Gesellschaft an die traditionsreiche Hydrobiologische Anstalt in Plön als Abteilungsleiter und Geschäftsführender Direktor erreichte, den er - aus wissenschaftlichen und familiären Gründen - nicht ausschlagen konnte. 1958 wurde er an der Universität Kiel zum Honorarprofessor für Limnologie ernannt, ab 1966 zum Direktor der Abteilung Tropenökologie und gleichzeitig Direktor am nun in 'Max-Planck-Institut für Limnologie' umbenannten Institut in Plön. Der Start im Nachkriegsdeutschland war für Sioli nicht einfach. Vieles war ihm nach fast zwei Jahrzehnten Abwesenheit in der amazonischen Freiheit fremd geworden. So störten ihn vor allem die mehr oder weniger amerikanisierten Lebens- und Denkformen, die Kommerzialisierung des Lebens, das extreme Konkurrenzdenken und der Opportunismus sowie bürokratische Hindernisse. Dabei erinnerte er sich an einen Gastwissenschaftler in Manaus, der ihm zur Frage der Rückkehr nach Deutschland einmal geantwortet hatte: 'Sie werden dann nichts anderes sein als ein deutsch sprechender Ausländer' (H. Sioli, Bd. VIII, S. 1238). Nach schwierigen Anfangsjahren ab Mai 1957 als Nachfolger von Prof. Dr. August Thienemann in der neuen Funktion beim Neubau des Instituts, Ausbau des Forschungsspektrums und Änderungen der Organisationsstruktur des Instituts führte er zahlreiche Forschungs-, Tagungs- und Vortragsreisen sowie Aufenthalte als Gastprofessor in Amazonien durch. In Plön konnte er sich ab 1966 wieder voll der Erforschung Amazoniens widmen und hatte eine Gruppe hervorragender Wissenschaftler um sich geschart, die im Amazonasgebiet viel beachtete Forschungen durchführten, so u.a. Dr. Hans Klinge, Dr. Ernst Josef Fittkau, Dr. Wolfgang Junk, Dr. Ulrich Irmler, Dr. Karin Furch und Dr. Georg Irion. Die Bindungen zu Amazonien wurden durch die Zusammenarbeit mit INPA in Manaus in dem 1969 unterzeichneten Abkommen zwischen der Max-Planck-Gesellschaft und dem Brasilianischen Forschungsrat (CNPq) weiter vertieft und es entstanden dadurch auch neue Forschungsperspektiven für junge deutsche Wissenschaftler in Amazonien. 1965 gründete Harald Sioli mit dem brasilianischen Kollegen Djalma Batista die 'Amazoniana', eine renommierte Zeitschrift, in der limnologische und landschaftsökologische Forschungsergebnisse publiziert werden. Seit der Emeritierung von Sioli 1978 wird die tropenökologische Forschung in Plön und das Abkommen mit dem INPA durch die 'Arbeitsgruppe Tropenökologie' unter der Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Junk fortgeführt und weiter intensiviert. Man kann davon ausgehen, dass das Renommee von Harald Sioli und seines Forschungsteams den Abschluss und die Durchführung der späteren größeren multidisziplinären deutsch-brasilianischen tropenökologischen Forschungsprogramme (BMBF-CNPq) in Brasilien zumindest erleichtert hat. Harald Sioli beeindruckte durch seine ganzheitliche Sicht Amazoniens mit all seinen Komponenten: von seiner geologischen Geschichte, seinem Klima, seinen Gewässern und Ökosystemen bis zu seinen Menschen. Mit diesem landschaftsökologischen Ansatz befruchtete er die interdisziplinäre Zusammenarbeit und trug wesentlich zu einer kohärenten amazonischen Regionalforschung bei. Die von Sioli durchgeführte hydrochemische Charakterisierung der Gewässertypen Schwarz-, Klar- und Weißwässer und deren Zuordnung zu bestimmten Bodentypen war eine seiner Pionierleistungen an der Forschungsfront. Sehr klar konzentrierte er seine Erkenntnisse auf die wesentlichen Zusammenhänge: 'Gerade in regenreichen Gebieten wie Amazonien, in dem es keine wirklichen Trockenzeiten gibt, müssen alle die Stoffe in den Böden, die gelöst werden können, in den Fliessgewässern auftreten. Dazu gehören auch die anorganischen Nährstoffe für den Pflanzenwuchs, auf dem sich das ganze Ökosystem mit seinen Tieren und schließlich mikrobiellen Destruenten [d. Hrsg.: siehe Glossar] aufbaut. Und wenn in den Wässern nur Spuren von solchen Stoffen zu finden sind, so ist der Schluss zwingend, dass auch in den Böden, aus denen die Wässer kommen, keine nennenswerten Mengen solcher Stoffe vorhanden sind, auch nicht von Reserven, die durch Verwitterung allmählich löslich würden.' 'Damit war eine der wichtigsten, grundlegenden Gegebenheiten für das Funktionieren des terrestrischen Ökosystems Amazonien, des großen Waldes, entdeckt worden: das Fehlen, oder zumindest die extreme Knappheit von Nährstoffen und Nährstoffreserven in den Böden des allergrößten Bereichs Amazoniens, auf denen der üppige amazonische Hochwald wächst. Oder kurz das seltene Phänomen: Üppigster Wald auf ärmstem Boden.' 'Die limnologische Forschung in Amazonien hatte damit den Rahmen der Beschränkung auf die Gewässer gesprengt und den Blick auf die zugehörigen terrestrischen Bezirke gelenkt. Da erhebt sich nun die Frage: Wie kann solch hoher üppiger Wald auf so armen Böden wachsen, und das noch dazu schon seit Hunderttausenden und gar Millionen von Jahren?' 'Die Antwort besteht in der Feststellung des geschlossenen, ständig wiederholten Kreislaufs derselben Nährstoffe durch die unzähligen Organismen, Pflanzen wie Tiere wie Mikroben, des amazonischen Wald-Ökosystems bei gleichzeitiger, möglichst vollständiger Vermeidung von Nährstoffverlusten, die aus den Böden heraus nicht wettgemacht werden können. Der Wald wächst also nicht a u s dem Boden heraus, sondern nur a u f ihm, benutzt ihn fast nur zu seiner mechanischen Fixierung. Nur die alleroberste, etwa 20-30 cm dicke Bodenschicht ist in den Kreislauf der Nährstoffe einbezogen.' 'In ihr spielen sich die Zersetzungsprozesse des abgestorbenen und ausgeschiedenen pflanzlichen und tierischen Materials ab, die in der feuchten Wärme so rasch verlaufen, dass sich keine Humusschicht bildet; in ih...