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ISBN/EAN: 978-3-608-93831-9
Einband: gebundenes Buch
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Originaltitel:
Tailchaser's Song
Übersetzer:
Hans J Schütz
Erschienen am:
Sprache:
Deutsch
Umfang:
432 S.
Format (T/L/B):
3.9 x 22 x 14.7 cm

Hersteller:
Klett-Cotta J.G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger
produktsicherheit@klett-cotta.de
Rotebühlstraße 77
DE 70178 Stuttgart


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23,00 €

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Beschreibung

Die Stunde der Dämmerung hatte begonnen, und der Dachfirst, auf dem Traumjäger lag, war in Schatten gebettet. Schlimmes geht vor unter den Nachfahren von Harar Goldauge und Fela Himmeltanz. Wohin bloß sind Fritti Traumjägers Freunde und Gefährten verschwunden? Und vor allem: Wo steckt Goldpfote, seine geliebte Gespielin? Zusammen mit Raschkralle und Dachschatten macht sich der Kater auf die Suche. Er kommt an den Königshof des ältesten Katzengeschlechts der Geschichte, und sein Weg führt ihn hinab bis in die dunkelste Katzenhölle. Und schließlich findet er, was kein Mensch und keine Katze je zuvor auch nur geträumt hatten.

Über Tad Williams

Tad Williams, geboren 1957 in Kalifornien, ist Bestsellerautor und für seine epischen Fantasy- und Science-Fiction-Reihen, darunter Otherland, Shadowmarch, und Das Geheimnis der Großen Schwerter bekannt. Seine Bücher, die Genres erschaffen und bisherige Genre-Grenzen gesprengt haben, wurden weltweit mehrere zehn Millionen Male verkauft.

Leseprobe

Vorbemerkung des Autors Mit wenigen Ausnahmen entstammen alle unbekannten Wörter, die in diesem Buch vorkommen, dem Höheren Gesang des Volkes. Wie andere Warmblüter besitzt das Volk zwei Sprachen. Die Gebrauchssprache, die es mit den meisten anderen Säugetieren teilt, ist der Gemeinsame Gesang, der größtenteils aus Gesten, Witterungen und Körperhaltungen besteht; dazu kommen ein paar leicht deutbare Geräusche und Schreie, welche die ganze Skala der Ausdrucksmöglichkeiten umfassen. Der Gemeinsame Gesang ist - wie in diesem Buch - in der Übersetzung nur unvollkommen wiederzugeben. Bei bestimmten Anlässen oder bei spezifischen beschreibenden Passagen, wo der Gemeinsame Gesang nicht ausreicht, wird der Höhere Gesang benutzt. Fast der gesamte rituelle Bereich und natürlich das Geschichtenerzählen fallen in diese Kategorie. Der Höhere Gesang ist eine überwiegend verbale Sprache, obgleich die Bedeutung eines Wortes auch durch die Körperhaltung und die Akzentuierung deutlich gemacht werden kann. Der Leser braucht also nicht fortwährend Wörter nachzuschlagen, denn die gebräuchlichen Wörter des Höheren Gesangs sind im Text übersetzt worden. Am Schluss des Buches findet sich überdies ein kleines Lexikon der Katzensprache für jene, die allzu kleinmütig sind, sowie ein Namensverzeichnis. Warum ich meine Katze schätze Weil sie dem ersten Schein des göttlichen Glanzes im Osten Auf ihre Weise huldigt. Weil sie das tut, indem sie ihren Leib siebenmal mit anmutiger Schnelle herumwirbelt Weil sie, nachdem sie gehuldigt und den Segen empfangen hat, An sich selber zu denken beginnt. Und dies vollführt sie in zehn Stufen. Erstens beschaut sie ihre Vorderpfoten, um zu sehen, Ob sie sauber sind. Zweitens wirbelt sie mit den Hinterbeinen den Staub auf, Damit es hinter ihr sauber wird. Drittens streckt sie sich gründlich mit gespreizten Vorderpfoten. Viertens schärft sie ihre Krallen an Holz. Fünftens wäscht sie sich. Sechstens wälzt sie sich frisch gewaschen herum. Siebtens flöht sie sich, damit es sie beim Spaziergang nicht juckt. Achtens reibt sie sich an einem Pfosten. Neuntens fragt sie nach ihren Anweisungen. Zehntens begibt sie sich auf die Suche nach Nahrung Wenn dann ihr Tagewerk vollbracht ist, macht sie sich An ihre eigentliche Arbeit. Denn sie hält die nächtliche Wache des Herrn gegen den Feind. Denn sie bekämpft die Mächte der Finsternis mit knisterndem Fell und funkelnden Augen. Denn sie widersteht dem Teufel, welcher der Tod ist, Indem sie sprühendes Leben verbreitet. In ihren Morgengebeten liebt sie die Sonne, und die Sonne Liebt die Katzen. Sie entstammt der Rasse der Tiger. Die CherubKatze ist dem EngelsTiger verwandt. Ich schätze meine Katze, weil nichts süßer ist als ihr Frieden, wenn sie ruht. Weil nichts lebendiger ist als ihr Leben, wenn es in Bewegung ist. Weil Gott sie mit einer unendlichen Vielfalt von Bewegungen Gesegnet hat Weil sie nach jeder Musik tanzen kann Christopher Smart TRAUMJÄGER UND GOLDPFOTE In der Stunde vor Anbeginn der Zeit kam Tiefklar Urmutter aus der Finsternis auf die kalte Erde. Sie war schwarz, und die ganze Welt schien in ihr Pelz geworden zu sein. Sie verbannte die ewige Nacht und gebar die Zwei. Harar Goldauge hatte Augen, so heiß und strahlend wie die Sonne zur Stunde der Kleineren Schatten; er war die Verkörperung des hellen Tags, des Mutes und des Tanzes. Fela Himmeltanz, seine Gefährtin, war schön wie Freiheit und Wolken, wie das Lied heimgekehrter Wanderer. Goldauge und Himmeltanz zeugten viele Kinder und zogen sie in dem Wald auf, der die Welt zu Beginn der Älteren Tage bedeckte. Kletterblitz, Wolfsgespiel, Laubsänger und Schimmerkralle, ihre Jungen, hatten kräftige Gebisse, waren scharfäugig, behende, aufrichtig und tapfer bis zu ihren Schwanzspitzen. Doch die Eigentümlichsten und Schönsten von all den ungezählten Kindern Harars und Felas waren die drei Erstgeborenen. Der Älteste hieß Viror Windweiß; sein Fell schimmerte wie Sonnenlicht auf Schnee, und er war schnell wie der Wind Das zweite Kind war Grizraz Kaltherz, grau wie die Schatten und voller Seltsamkeit Der Drittgeborene wurde Tangalur Feuertatze genannt. Er war schwarz wie Tiefklar Urmutter, doch seine Pfoten waren flammend rot. Er hielt sich abseits und sang für sich allein. Unter den erstgeborenen Brüdern gab es Nebenbuhlerschaft. Windweiß lief so schnell und war so stark, wie eine Katze es sich nur erträumen konnte - niemand übertraf ihn im Springen oder Laufen. Feuertatze war klug wie keiner; er löste alle Aufgaben und Rätsel und ersann Lieder, die das Volk viele Katzenalter hindurch sang. Kaltherz konnte mit den Leistungen seiner Brüder nicht wetteifern. Er wurde neidisch und begann den Sturz von Windweiß und die Erniedrigung des Volkes zu betreiben. So geschah es, dass Kaltherz ein mächtiges Untier gegen das Volk ins Feld schickte. Ptomalkum war sein Name, und es war die letzte Ausgeburt des Dämonen-Hundes Venris, den Tiefklar in den Tagen des Feuers vernichtet hatte. Ptomalkum, erweckt und genährt von Kaltherz Hass, tötete viele aus dem Volk, bevor er selbst von dem tapferen Windweiß erschlagen wurde. Jedoch Windweiß empfing so schwere Wunden, dass er rasch dahinsiechte und starb. Als er erkannte, dass seine Ränke zunichtegemacht waren, fürchtete sich Kaltherz, kroch in ein Loch und verschwand in der verschwiegenen Erde. Groß war das Wehklagen am Hofe von Harar ob des Todes von Windweiß, den alle geliebt hatten. Feuertatze, sein Bruder, von Gram erfüllt, floh den Hof, entsagte seinem Anspruch auf die Königswürde und wanderte in die Welt. Fela Himmeltanz, Windweiß Mutter, war von jener Zeit an stumm, und sie blieb es ihr langes Leben lang. Harar Goldauge jedoch war so von Zorn erfüllt, dass er weinte und gewaltige Eide schwor. Heulend ging er in die Wildnis und vernichtete alles, was ihm auf seiner Suche nach dem verräterischen Kaltherz in die Quere kam. Schließlich, unfähig, einen so großen Schmerz zu ertragen, flüchtete er sich in den Schoß der Urmutter im Himmel. Dort lebt er immer noch und jagt die leuchtende Maus der Sonne durch den Himmel. Oft blickt er von oben auf die Erde herab und hofft, Viror noch einmal unter den Bäumen des Welt-Waldes dahinlaufen zu sehen. Ungezählte Jahreszeiten folgten einander, und die Welt wurde älter, bevor Feuertatze seinem treulosen Bruder Kaltherz wieder begegnete. In den Tagen von Prinz Glattbart, als Königin Dämmerstreif herrschte, kam Tangalur Feuertatze den Ruhus, dem Eulenvolk, zu Hilfe. Ein rätselhaftes Untier hatte die Nester der Eulen geplündert und alle Ruhu-Jäger getötet, die sich ihm in den Weg gestellt hatten. Feuertatze machte eine Falle, indem er einen mächtigen Baum so lange mit den Krallen bearbeitete, bis er beinahe durchtrennt war, und legte sich dann auf die Lauer, den Räuber zu erwarten. Als das Untier in dieser Nacht erschien und Feuertatze den Baum fällte, entdeckte er zu seinem Erstaunen, dass es Grizraz Kaltherz war, der unter dem Baum begraben lag. Kaltherz bat Feuertatze, ihn zu befreien, und versprach, ihm die uralten Weisheiten zu enthüllen, derer er im Inneren der Erde teilhaftig geworden sei. Tangalur lachte bloß. Als die Sonne aufging, begann Kaltherz zu schreien. Er wand sich und kreischte, so dass Feuertatze, obgleich er eine Finte fürchtete, seinen leidenden Bruder von der Last des Baumes befreite. Kaltherz war so lange unter der Erde gewesen, dass die Sonne ihn blendete. Er kratzte und rieb sich seine gepeinigten Augen und heulte so erbärmlich, dass Feuertatze sich nach etwas umsah, womit er ihn vor dem glühenden Licht des Tag-Sterns schützen konnte. Sobald er sich jedoch abwandte, grub der geblendete Kaltherz sich einen Gang, schneller als es ein Dachs oder ein Maulwurf vermocht hätte. Als der aufgeschreckte Feuertatze sich über das Loch beugte, war Kaltherz aufs Neue im Inneren der Welt verschwunden. Man erzählt sich, dass er noch immer dort wohnt, vor den Augen des Volks verborgen; dass er unter der Erde Übeltaten ersinnt und danach giert, in die Obere Welt zurückzukehren TEIL1 1. KAPITEL hängt keinem Irrtum nach: Wir sind nicht scheu und kümmerlich: Wir sind sehr hell und wach, Der Mond und ich! W. S. Gilbert Die Stunde der Steigenden Dämmerung hatte begonnen, und der Dachfirst, auf dem Traumjäger lag, war in Schatten gebettet. Er steckte tief in einem Traum voller Sprünge und Flüge, als er ein ungewöhnliches Kribbeln in seinen Barthaaren spürte. Fritti Traumjäger, der junge Jäger des Volkes, wurde plötzlich wach und schnupperte die Luft. Mit gespitzten Ohren und starr abstehenden Barthaaren sog er prüfend die Abendbrise ein. Nichts Außergewöhnliches. Doch was hatte ihn dann geweckt? Grübelnd spreizte er die Pfoten und begann sich zu strecken, bis sein Körper vom Rückgrat bis zur Spitze seines rötlichen Schwanzes locker war. Als er sich fertig geputzt hatte, war das Gefühl einer Gefahr verflogen. Vielleicht war es ein Nachtvogel gewesen über ihm oder ein Hund unten im Feld vielleicht Vielleicht werde ich wieder ein Kind, dachte Fritti bei sich selbst, das erschreckt vor fallenden Blättern Reißaus nimmt. Der Wind rubbelte durch sein frisch gelecktes Fell. Verärgert sprang er vom Dach in die hohen Gräser hinunter. Zuerst musste er etwas gegen den Hunger tun. Danach wurde es Zeit, zum Mauertreff zu gehen. Das Dämmerlicht schwand, und Traumjägers Bauch war immer noch leer. Das Glück war ihm nicht geneigt gewesen. Regungslos und geduldig hatte er am Eingang zur Höhle eines Ziesels auf der Lauer gelegen. Nachdem eine Ewigkeit nahezu lautlosen Atmens verstrichen und der Bewohner des Baus immer noch nicht aufgetaucht war, hatte Traumjäger enttäuscht aufgegeben. Missmutig hatte er auf dem Höhleneingang herumgetrampelt und sich dann auf die Suche nach einer anderen Beute gemacht. Das Glück hatte ihn ganz und gar verlassen. Selbst ein Nachtfalter war seinem stürmischen Angriff entkommen und in Spiralen nach oben in die Dunkelheit geflogen. Wenn ich nicht bald etwas fangen kann, sorgte er sich, werde ich zurückkehren und aus dem Napf fressen müssen, den die Großen für mich hinausgestellt haben. Harar! Was für ein Jäger bin ich eigentlich? Ein schwacher Anflug von Geruch ließ Traumjäger unvermittelt innehalten. Vollkommen bewegungslos und mit angestrengten Sinnen kauerte er und schnupperte. Es war ein Quieker, und so nahe, dass er ihn mit dem Wind wittern konnte. Er bewegte sich schattenleicht, suchte sich sorgsam seinen Weg durch das Unterholz, und dann erstarrte er wieder. Dort! Anderthalb Sprünge vor ihm saß die Mreaz, die er gerochen hatte. Ohne Traumjäger zu bemerken, hockte sie da und stopfte sich Samen in die Backentaschen - die Nase zuckte nervös, die Augen zwinkerten unruhig. Fritti ließ sich auf die Erde nieder, und sein aufgestellter Schwanz schlug hinter ihm hin und her. Immer noch kauernd, hob er sich auf die Hinterbeine und machte sich zum Angriff bereit - regungslos und mit gespannten Muskeln. Er sprang. Er hatte die Entfernung falsch eingeschätzt. Er sprang zu kurz, und als er mit zuckenden Tatzen landete, hatte der Quieker gerade noch Zeit, ein entsetztes Zirpen auszustoßen, ehe er - husch! - in seinem Loch verschwand. Fritti stand über dem Fluchtloch und biss sich verlegen die Pfote. Als Traumjäger die letzten Brocken aus dem Napf leckte, sprang Spindelbein auf die Veranda. Spindelbein war ein wilder, grau und gelb gescheckter Tiger, der in einem Abzugskanal auf der anderen Seite des Feldes hauste. Er war ein wenig älter als Fritti, worauf er sich viel einbildete. ' Nrefao, Traumjäger.' Spindelbein zog sich hoch und schärfte träge seine Krallen an einem hölzernen Pfeiler. 'Sieht so aus, als hättest du heute Abend reichlich zu fressen bekommen. Sag mal, lassen dich die Großen für dein Abendessen Männchen machen? Ich habe mich oft gefragt, wie das abläuft, musst du wissen.' Fritti tat so, als hörte er nichts, und begann seinen Schnurrbart zu säubern. 'Mir fällt auf', fuhr Spindelbein fort, 'dass die Heuler eine Art Abmachung haben. Sie bringen den Großen Sachen, springen viel herum und bellen die ganze Nacht, um etwas zu fressen zu kriegen. Machst du das auch?' Spindelbein streckte sich lässig. 'Ich bin einfach neugierig, verstehst du? Eines Nachts - oh, ich gebe zu, dass es nicht wahrscheinlich ist -, eines Nachts könnte ich einmal nicht fähig sein, mir etwas zum Abendessen zu fangen, und dann wäre es ganz hübsch, etwas zu haben, worauf man zurückgreifen kann. Ist Bellen sehr schwierig?' 'Sei still, Spindelbein.' Fritti fauchte, dann nieste er vor Lachen und sprang auf seinen Freund los. Sie rangen einen Augenblick, dann gaben sie sich frei und versetzten einander Tatzenhiebe. Schließlich, als sie müde waren, ließen sie sich kurz nieder, um sich zu lecken. Als sie sich ausgeruht hatten, sprang Spindelbein von der Veranda herab und tauchte in die Dunkelheit. Fritti glättete ein letztes Stück Fell an seiner Seite, und dann folgte er ihm. Gerade begann die Stunde der Tiefsten Stille, und hoch am Himmel, entrückt und gleichmäßig leuchtend, stand Tiefklars Auge. Der Wind lief flüsternd durch die Blätter der Bäume, als Traumjäger und Spindelbein sich ihren Weg durch Felder und über Zäune bahnten. Manchmal verhielten sie, um auf die Geräusche der Nacht zu lauschen, dann stoben sie über schimmernde, vom Licht der Straßenlaternen erhellte Rasenflächen. Als sie am Saum der Alten Wälder anlangten, welche die Wohnungen der Großen umgaben, konnten sie die frischen Gerüche anderer Stammesgenossen riechen. Jenseits der Anhöhe und hinter einem Wäldchen mächtiger Eichen lag der Eingang zur Schlucht. Traumjäger dachte mit Freude an die Lieder und Geschichten, die bei der zerfallenden Mauer die Runde machen würden. Er dachte auch an Goldpfote, deren schlanke, graue Gestalt und zierlicher gebogener Schwanz ihm seit kurzem fast ununterbrochen im Kopf herumspukten. Es war schön, zu leben und in der Nacht des Mauertreffs zum Volk zu gehören. Tiefklars Auge warf ein perlmuttfarbenes Licht auf die Lichtung. Am Fuß der Mauer waren fünfundzwanzig oder dreißig Katzen versammelt - sie rieben sich aneinander in gravitätischer Begrüßung und beschnüffelten die Nase eines Neuankömmlings. Viele Jüngere aus dem Volk übten sich in Scheinkämpfen. Traumjäger und Spindelbein wurden von einer Schar junger Jäger begrüßt, die lässig ein wenig abseits von der Menge herumstanden. 'Prächtig, dass ihr hier seid!', rief Pfotenflink, ein junger Kater mit dickem, schwarz-weißem Fell. 'Wir wollen gerade anfangen, Spring-in-die-Luft zu spielen - bis die Alten kommen, versteht sich.' Spindelbein hüpfte hinüber, um mitzumachen, doch Fritti schüttelte höflich den Kopf und schob sich vorwärts durch die Menge, um nach Goldpfote Ausschau zu halten. Er konnte ihren Geruch nicht ausfindig machen, während er durch das Gewimmel von Katzen schlüpfte. Zwei junge Felas, kaum dem Kätzchenalter entwachsen, begegneten ihm mit kokett gerümpften Näschen und rannten dann ausgelassen prustend weg. Er beachtete sie nicht und senkte seinen Kopf respektvoll, als er an Langstrecker vorüberkam. Der ältere Kater, der flach hingestreckt majestätisch am Fuß der Mauer lag, würdigte ihn eines Blinzelblicks aus seinen riesigen grünen Augen und grüßte ihn mit einem flüchtigen Ohrzucken. Immer noch keine Spur von Goldpfote, dachte Fritti. Wo mochte sie sein? Niemand versäumte einen Mauertreff, wenn er es vermeiden konnte. Treffen fanden nur in jenen Nächten statt, in denen das Auge vollständig geöffnet und am hellsten war. Vielleicht kommt sie später, dachte er. Oder vielleicht ging sie in dieser Sekunde mit Springhoch oder Auenhusch spazieren - ihren Schwanz in voller Länge ausgestreckt, damit sie ihn bewundern konnten Der Gedanke machte ihn wütend. Er drehte sich um und versetzte einem halbstarken Kater einen Hieb, der hinter seinem Rücken Luftsprünge und Kapriolen vollführte. Es war der junge Raschkralle, der ihn derart erschreckt anblickte, dass es Fritti sogleich leid tat, dass er ihn geschlagen hatte. Dieser übermütige Springinsfeld war häufig eine Plage, aber er meinte es nicht böse. 'Tut mir leid, Raschkralle', sagte er. 'Ich hab nicht gewusst, dass dus bist. Ich dachte, es wär der alte Langstrecker, und ich wollte ihm eine Lektion erteilen.' 'Wirklich?', keuchte der junge Kater. 'Das hättest du wirklich getan?' Fritti bereute seinen Scherz. Langstrecker würde ihn nicht sehr komisch finden. 'Vergiss es', sagte er. 'Es war ein Irrtum, und ich entschuldige mich.' Raschkralle war entzückt, dass er wie ein Erwachsener behandelt wurde. 'Natürlich nehme ich deine Entschuldigung an, Traumjäger', sagte er würdevoll. 'Es war ein verständlicher Irrtum.' Fritti prustete. Er biss den jungen Kater spielerisch in die Flanke und setzte seinen Weg fort. Die Zeit der Tiefsten Stille war halb vorüber und das Treffen in vollem Gange, und Goldpfote war immer noch nicht aufgetaucht. Während einer der Älteren die versammelte Menge ergötzte - inzwischen auf beinahe sechzig Köpfe angewachsen -, bahnte sich Fritti seinen Weg zu Spindelbein, der bei Pfotenflink und den anderen saß. Der Ältere beschrieb einen großen und möglicherweise gefährlichen Heuler, der wild in der Gegend herumlief, und Spindelbein und die anderen Jäger hörten aufmerksam zu, als Fritti ankam. 'Spindelbein!', zischte er. 'Kann ich einen Augenblick mit dir sprechen?' Spindelbein gähnte und streckte sich, bevor er Fritti gemächlich auf seinen Sitz zwischen drei Wurzeln folgte. 'Worum geht es denn?', fragte er liebenswürdig. 'Ist es Zeit für meine Übungsstunden im Bellen?' 'Bitte, Spindelbein, keine Scherze. Ich kann Goldpfote nirgendwo finden. Weißt du, wo sie ist?' Spindelbein sah Traumjäger aufmerksam an, während der Alte eintönig weitersprach. 'Aha', sagte er, 'es kam mir gleich so vor, als wärst du mit deinen Gedanken woanders. All das wegen einer Fela?' 'In der vergangenen Nacht haben wir den Tanz des Einverständnisses getanzt!', sagte Fritti erregt. 'Aber wir konnten ihn nicht zu Ende bringen, bevor die Sonne aufging. Wir wollten ihn heute Nacht beenden. Ich weiß, dass sie mit mir einverstanden gewesen wäre! Was könnte sie dazu gebracht haben, das Treffen zu versäumen?' Spindelbein klappte in gespieltem Entsetzen seine Ohren herunter. 'Ein abgebrochener Tanz des Einverständnisses! Bei Himmeltanz Schnurrbart! Ich glaube, ich sehe schon, wie dir dein Fell ausgeht! Und dein Schwanz wird schlapp!' Fritti schüttelte ungeduldig den Kopf. 'Ich weiß, dass dir das lächerlich vorkommt, Spindelbein, und bei deinem Geschwader schwanzwedelnder Felas kümmert dich eine echte Verbindung nicht. Aber mich kümmert sie, und ich mache mir Sorgen um Goldpfote. Bitte, hilf mir.' Spindelbein blickte ihn einen Augenblick aus blinzelnden Augen an, und er kratzte sich hinter seinem rechten Ohr. 'In Ordnung, Traumjäger', sagte er nur. 'Was kann ich tun?' 'Nun, ich denke, heute Nacht können wir nicht viel unternehmen. Wenn ich sie morgen aber nicht finden kann, könntest du vielleicht herauskommen und dich mit mir ein wenig umsehen?' 'Ich denke schon', erwiderte Spindelbein. 'Aber ich glaube, dass ein wenig Geduld vielleicht au!' Pfotenflink hatte sich von unten angeschlichen und rammte seinen flachen Kopf gegen Spindelbeins Hinterbacken. 'Was soll dies tiefsinnige Gerede? Borstenmaul wird gleich eine Geschichte erzählen, und ihr sitzt hier herum wie zwei fette Eunuchen!' Traumjäger und Spindelbein hüpften hinunter und ihrem Freund nach. Felas waren Felas, aber eine Geschichte war gewiss nicht zu verachten! Das Volk schloss sich enger um die Mauer zusammen - ein Meer wedelnder Schwänze. Gemächlich und mit ungeheurer Würde erklomm Borstenmaul ein zerfallenes Mauerstück. Am höchsten Punkt hielt er inne und wartete. Borstenmaul war, mit den elf oder zwölf Sommern, die er auf dem Buckel hatte, gewiss kein junger Kater mehr, doch alle seine Bewegungen zeugten von eiserner Beherrschung. Sein schildp...